FISCHARTENATLAS VON DEUTSCHLAND UND ÖSTERREICH – EINE ICHTHYOLOGISCHE INFORMATIONS- UND KOMMUNIKATIONSPLATTFORM

PROJEKTBESCHREIBUNG STAND 30. Oktober 2009

Heiko BRUNKEN, Corinna BRUNSCHÖN, Martin SPERLING und Martin WINKLER
c/o Hochschule Bremen, Internationaler Studiengang für Technische und Angewandte Biologie, Neustadtswall 30, D-28199 Bremen

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Zitiervorschlag:  Brunken, H., Brunschön, C., Sperling, M. & Winkler, M. (2009): Fischartenatlas von Deutschland und Österreich - Eine ichthyologische Informations- und Kommunikationsplattform. Projektbeschreibung Stand 10. November 2007. – In: Brunken, H.: Fischartenatlas von Deutschland und Österreich (Hrsg. Gesellschaft für Ichthyologie e.V.). World Wide Web electronic publication. www.fischartenatlas.de [download-Datum]

1. Einleitung

Bis heute gibt es weder für Deutschland einschließlich seiner Meeresgebiete noch für Österreich nationale oder staatenübergreifende Fischverbreitungskarten (ausgenommen für die so genannten FFH-Anhangsarten: STEINMANN & BLESS 2004). In den letzten Jahren ist das Interesse an Daten zur Biologie und Verbreitung von Fischen sowohl im Meer als auch im Süßwasser jedoch allgemein stark gestiegen. In der europäischen Wasserrahmenrichtlinie WRRL (EG-WRRL 2000) spielen Fische als Bioindikatoren für den ökologischen Gewässerzustand eine bedeutende Rolle, in der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (RICHTLINIE 92/43/EWG 1992) werden Fische als zu schützende Arten ausdrücklich genannt; Biodiversitätskonvention, Gewässerrenaturierungen, Monitoring, fischereiliches Management und nicht zuletzt neue Erkenntnisse in der Taxonomie sind weitere Gründe für einen hohen Bedarf an der Verbreitung aktueller ichthyologischer Daten.

Entsprechende Informationsangebote sind jedoch kaum verfügbar. Vorhandene Daten sind zum Teil weit verstreut (z.B. bei Behörden, Universitäten, Museen), das globale Informationssystem FishBase (FROESE & PAULY 2006) ist vom Maßstab her für viele regionale oder auch nationale Fragestellungen oft nicht genau genug. Zudem findet es wegen der englischen Sprache und des komplexen Aufbaus in der Praxis nicht immer ausreichende Akzeptanz.

Wünschenswert wäre also eine umfassende und wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Gesamtdarstellung über die Verbreitung und Biologie von Fischen in Deutschland und Österreich. Eine solche Aufgabe ist jedoch in der heutigen Zeit aufgrund des immensen Informationsangebots für einzelne Personen kaum noch leistbar. Aus dieser „Not“ heraus entstand im Umfeld der Gesellschaft für Ichthyologie e.V. (GfI) die Idee, die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen und wurde als solche zum ersten Mal im August 2001 auf der Tagung der Gesellschaft für Ichthyologie / V. Symposium zur Ökologie, Ethologie und Systematik der Fische im Naturhistorischen Museum Wien vorgestellt (BRUNKEN 2001); eine erste Vorversion wurde dann im Jahr 2004 auf dem gleichnamigen Symposium in Bonn präsentiert (BRUNKEN & BRUNSCHÖN 2006).

Nach der Idee „eine Person bearbeitet eine Fischart“ soll mittelfristig ein Expertennetzwerk aufgebaut werden, in der eine möglichst große Anzahl von „Artbearbeitern/innen“ Informationen über Biologie und Verbreitung von Fischarten dezentral in Form von Artmonografien aufbereiten, um diese dann zentral in einer gemeinsamen Informationsplattform – dem hier vorgestellten „Fischartenatlas von Deutschland und Österreich“ – zu publizieren (Abb. 1). Da in der Realität nicht für alle Arten Experten zur Verfügung stehen werden und andereseits einige Experten mehrere Arten bearbeiten werden, wird zunächst ein Expertenteam von etwa 50 Personen für Süßwasserfische angestrebt, unter Einbeziehung der Meeresfische entsprechend mehr. Für einen weiteren Ausbauschritt ist auch eine Benennung von so genannten Gebietsexperten/innen angedacht. Die Einteilung der Gebiete sollte sich dabei möglichst an den Einzugsgebieten der Wasserrahmenrichtlinie orientieren.

konzept_expertenstruktur
Abb. 1: Struktur des Expertennetzwerks. Die Benennung von Gebietsspezialisten ist in der vorliegenden Version noch nicht realisiert. Hier noch nicht dargestellt sind die weiteren "nicht organisierten" Mitarbeiter/innen und Kooperationspartner, die für einen Großteil des Dateninputs (z.B. Fotos, Beiträge, Verbreitungspunkte) verantwortlich sind.

Ziel und Intention des Projektes ist die Schaffung einer auf Dauer angelegten ichthyologischen Informations- und Kommunikationsplattform, um einen dauerhaften Beitrag für den Fischarten- und Gewässerschutz im deutschsprachigen Raum leisten zu können. Das Projekt möchte Informationen, Menschen und Meinungen zusammenbringen und als Katalysator für eine weitere Erforschung der einheimischen Fischfauna dienen. Ausdrücklich nicht beabsichtigt ist der Aufbau einer zu den vorhandenen Informationsangeboten parallelen Datenstruktur. Bei zahlreichen Institutionen wie z.B. Landesfischereiämtern oder wissenschaftlichen Einrichtungen bestehen schon lange sehr gute Datenbanken und Auswertungsmöglichkeiten. Diese sollen von dem hier vorgestellten Projekt weder kopiert noch in Frage gestellt werden. Vielmehr ist es das erklärte Ziel, diese Informationen bzw. Teile davon auf einer Art Metaebene zusammenzufügen (z.B. in Form von gemeinsamen Verbreitungskarten) und sowohl die Kenntnis über verfügbare Informationen als auch über die beteiligten Akteure zu verbessern.

Die Realisierung des Fischartenatlanten erfolgt als non-profit-Projekt und ist angesiedelt unter dem Dach der im deutschsprachigen Raum tätigen Gesellschaft für Ichthyologie e.V. (GfI). Die Redaktion erfolgt an der Hochschule Bremen in der dortigen Arbeitsgruppe Fischökologie (verantwortliche Leitung Heiko Brunken) in Kooperation mit Jörg Freyhof vom Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Berlin. Ansprechpartner für Österreich ist Robert Patzner von der Universität Salzburg.

Der Fischartenatlas ist derzeit noch im Aufbau. Dementsprechend kann der Atlas zum aktuellen Zeitpunkt weder vollständig noch fehlerfrei sein. Das Redaktionsteam erhofft sich jedoch von dieser ersten Darstellung eine Art Katalysatorwirkung und Anschubeffekt für das Schließen der noch zahlreichen Kenntnis- und Informationslücken über unsere heimische Fischfauna.

Das Projekt basiert weitgehend auf ehrenamtlicher Mitarbeit. Sein Erfolg und die Akzeptanz einer solcher Einrichtung in der Fachwelt werden in ganz besonderem Maße von den Beiträgen der externen Mitarbeiter/innen abhängen. Neben der Übernahme einer Artbearbeitung sind auch Beiträge zu anderen Themen ausdrücklich erwünscht (siehe Rubrik im Atlas „Wie kann ich mitmachen?“).

2. Danksagung

Die Autoren möchten sich bei allen ganz herzlich bedanken, die zum bisherigen Gelingen des Fischartenatlas beigetragen haben.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN Bonn) stellte Mittel für die Anschaffung der Software zur Verfügung und ermöglichte die Durchführung eines Expertenseminars zur Erstellung eines ersten Pflichtenheftes. Die Teilnehmer/innen dieses Seminars auf der Insel Vilm investierten viel Zeit und Energie, dem Atlas erste feste Strukturen zu geben. Gleiches gilt für die Teilnehmer/innen des Auftaktseminars an der Universität Salzburg im Jahr 2006. Zahlreiche Fachkollegen/innen, die hier nicht namentlich genannt werden um niemanden zu vergessen, lieferten zahlreiche Informationen und Diskussionsbeiträge. Der Firma BIOGIS verdanken wir zahlreiche technische Hilfestellungen. Gleiches gilt für Philipp Kolhoff und Simon Schröder vom Studiengang für Medieninformatik der Hochschule Bremen.

Für die deutschen Süßwasserfische erhielten wir dankenswerterweise umfangreiche Daten aus Mecklenburgvorpommern vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) (Frau Holz und Helmut Winkler) sowie aus Nordrhein-Westfalen vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV, vormals Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten LÖBF) (Frau Schütz, Herr Kordes).

Für die Darstellung der deutschen Meeresfische danken wir folgenden Institutionen und Personen für wertvolle Hilfestellungen und das Zurverfügungstellen umfangreicher Datenmengen: Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und im Besonderen Dr. Rainer Knust sowie Kai Wätjen, Dr. Lars Gutow und Nils Koschnick; Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit den Mitarbeitern Dr. Manfred Zeiler, Dr. Maria Boethling und Dr. Axel Binder; Bundesforschungsanstalt für Fischerei (BFAFI) und ganz besonders Dr. Siegfried Ehrich und Dr. Anne Sell vom Institut für Seefischerei, sowie Dr. Uwe Böttcher vom Institut für Ostseefischerei; Institut für Vogelforschung, Vogelwarte Helgoland und Forschungszentrum Terramare, Dr. Andreas Dänhart; Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart, Dr. Ronald Fricke.

Für die Bearbeitung der Fische von Österreich bedanken wir uns bei Dr. Wolfgang Honsig-Erlenburg vom Amt der Kärntner Landesregierung sowie bei Mag. Nikolaus Schotzko und Mag. Brigitte Sasano vom Institut für Gewässerökologie, Fischereibiologie und Seenkunde, Scharfling, für die Bereitstellung von Verbreitungsdaten und Kartenmaterial. Wesentliche Unterstützung der Projektverwirklichung verdanken wir Herrn Univ.-Prof. Dr. Robert A. Patzner von der Universität Salzburg.

Die zahlreichen kleinen und großen Verbesserungschritte am Atlas wären undenkbar ohne die beständige Mithilfe unserer weiteren Redaktionsmitglieder Silke Eilers, Henning Harder, Matthias Hein und Peer Cyriacks (Hochschule Bremen, AG Fischökologie) sowie Dr. Jörg Freyhof vom Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Berlin.

3. Methode

3.1 Fachinformationssystem

Die Struktur des dem Atlas-Projekt zugrundeliegenden Fachinformationssystems (Abb. 2) basiert auf der speziell für Biodiversitätsfragen entwickelten Datenbanksoftware BioOffice© (Fa. BIOGIS, Salzburg). Für den Import von Verbreitungsdaten wurde mittels MS-Access© ein Importmodul mit zahlreichen Hilfestellungen, Komfort- und Kontrollmöglichkeiten entwickelt. Die Erstellung der Verbreitungskarten erfolgt über GIS (ArcView©, Fa. ESRI) in Kombination mit dem BioMapper© (Fa. BIOGIS). Online werden die Verbreitungskarten direkt aus der Datenbank erzeugt. Der Datenexport an das Online-Informationssystem erfolgt über eine MySQL-Datenbank.

Der bisherige Bearbeitungsstand wurde im wesentlichen über studentische Abschlussarbeiten im Internationalen Studiengang für Technische und Angewandte Biologie an der Hochschule Bremen realisiert (Süßwasserfische Deutschlands: BRUNSCHÖN 2005; Fische Österreichs: WINKLER 2006; deutsche Meeresfische: SPERLING 2006). Die Programmierung der ersten Internetpräsentation erfolgte von Philipp Kolhoff und Simon Schröder (Studiengang für Medieninformatik, Hochschule Bremen).

Der Aufbau der aktuellen Web-Seite basierend auf dem Content-Management-System "Joomla! Version 1.5" erfolgte durch Martin Winkler, Bremen.

Derzeit beinhaltet der Atlas noch drei Teildatenbanken mit jeweils drei Artenlisten und zugehörigen Verbreitungskarten: Süßwasserfische von Deutschland, Meeresfische von Deutschland und Fische von Österreich. Diese sollen zukünftig zu einer Datenbank vereinigt werden.
konzept_fachinformationssystem
Abb. 2: Fachinformationssystem. Die Zentrale Datenbank besteht derzeit noch aus den drei Teildatenbanken „Deutsche Süßwasserfische“, „Fische Österreichs“ und „Deutsche Meeresfische“.  Die weitere Organisation der im Internet dargestellten Daten erfolgt über die open source Software Joomla! (hier nicht dargestellt).

3.2 Verbreitungskarten Deutschland

Die hier erstmals für alle deutschen Süßwasserfische präsentierten deutschlandweiten Verbreitungskarten basieren im wesentlichen auf den in Schriftform veröffentlichten Fischartenkatastern der deutschen Bundesländer (BARLAS et al. 1987, DIERCKING & WEHRMANN 1991, SCHIRMER 1991, GAUMERT & KÄMMEREIT 1993, VILCINSKAS & WOLTER 1993, BOCK et al. 1996, FÜLLNER et al. 1996, KAMMERAD et al. 1997, SPRATTE & HARTMANN 1998, BRÄMICK et al. 1999, BOHL et al. 2000, PELZ & BRENNER 2000, DUßLING & BERG 2001, FISCHEREIVERBAND SAAR 2001, KLINGER 2001, SCHAARSCHMIDT & LEMCKE 2004). Das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern stellte aktuelle Daten in digitaler Form zur Verfügung.

Die hier berücksichtigten Quellen geben mittlerweile nicht immer den aktuellen Kenntnistand wieder, sondern stellen vielmehr eine improvisierte ad-hoc-Lösung dar, die nötig war, um mit dem Projekt beginnen zu können und dem Atlas eine erste erkennbare Struktur zu geben. Künftige Aktualisierungen sollen im Verlauf der weiteren Arbeit jeweils mit den regional Verantwortlichen im Detail abgesprochen werden (im Wesentlichen also mit den Landesfischereibehörden).

Die Verbreitungen der einzelnen Fischarten wurden aus den Katastern von Hand übernommen und in einheitliche Präsenz-Absenz-Darstellungen im TK 25-Raster übertragen (graue Punkte in den Verbreitungskarten). Wenn die Zuordnung zu einem bestimmten TK25-Raster nicht eindeutig möglich war, wurden diese Daten mit dem Vermerk „Rasterzuordnung unsicher“ versehen (rote Verbreitungspunkte). Soweit koordinatengenaue Daten zur Verfügung standen, wurden diese in der Datenbank als solche abgelegt, für die Darstellung im Internet aber in Rasterpunkte transferiert (schwarze Verbreitungspunkte). Beim Zusammenfügen der in ihrer Darstellung zum Teil recht heterogenen Daten musste entschieden werden, welche Daten übernommen werden und welche nicht. So wurden z.B. für Niedersachsen nur die „harten“, auf nachvollziehbaren Befischungen basierenden Verbreitungsdaten übernommen, Angaben auf der Grundlage von Umfragen wurden dagegen weggelassen. Zu den Vorschriften der jeweiligen Datenübernahme siehe Tabelle 1 im Anhang.

Die Datenbank erlaubt eine beliebige Unterteilung der Datensätze nach verschiedenen Zeiträumen, da für alle Daten zumindest das Jahr der Erfassung bekannt ist. Für die vorliegende Version der Verbreitungskarten wurde willkürlich das Jahr 1970 gewählt, um zwischen „historischen“ und „aktuellen“ Daten unterscheiden zu können.

3.3 Verbreitungskarten Österreich

Die Verbreitungsdaten stammen aus Beständen des Instituts für Gewässerökologie, Fischereibiologie und Seenkunde in Mondsee, Scharfling, und dem Amt der Kärntner Landesregierung, Abt. 15 – Umweltschutz und Technik. Die Verbreitungsdaten liegen in tabellarischer Form als Excel- und Access-Dateien vor, sowie teilweise auch als Punktkarten im ArcGIS-Shapeformat. Die Fundstellen wurden als geografische Dezimalkoordinaten übergeben. Als Fundort eines Artnachweises wurde die Mittelpunktkoordinate desjenigen Blattes aus dem ÖK50-Blattschnitt (Österreichische Karte 1:50.000) festgelegt, in dessen Grenzen der Artnachweis dokumentiert wurde. Damit sind alle Nachweise außer mit ihren geografischen Koordinaten auch mit einem ÖK-50 Blatt und dessen Nummer und Namen verknüpft.

Das im Fischartenatlas, Teildatenbank Österreich, Verwendung findende Kartenmaterial wurde in digitaler Form vom Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV) in Wien bereitgestellt. Es handelt sich um georeferenzierte Karten in der Projektion „Lambert Conformal Conic“ und in unprojizierter Darstellung im Koordinatensystem „WGS84“.

3.4 Verbreitungskarten Nord- und Ostsee

Die Verbreitung der Meeresfische in den Küstengewässern und der deutschen Aussschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) wird auf Karten dargestellt, die die Tiefenzonen im deutschen Seegebiet enthalten. Die Darstellung erfolgt dabei für Nord- und Ostsee getrennt. Diese Karten, inklusive der Grenzen der AWZ und 12 Seemeilen-Zone wurde vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg zur Verfügung gestellt. Zusätzlich wurden, nach vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) im Internet veröffentlichten Koordinaten, die Vorschläge für Schutzgebiete (Natura 2000) nach den europäischen Richtlinien (FFH-RL, V-RL) im Bereich der AWZ übernommen. Diese können nun auf der Verbreitungskarte im Internet zu- oder abgeschaltet werden. Um die Verbreitungsdaten übersichtlich darzustellen wurde, wie schon für die Binnengewässer, eine Rasterdarstellung gewählt. Da es für die Meeresgebiete zu diesem Zweck kein allgemein angewandtes Raster (wie etwa die TK-25 Blätter auf dem Festland)  gibt, wurde ein eigenes Raster erstellt. Nach Absprache mit einigen Institutionen wurde für die Raster eine Größe von 5x5 Seemeilen verwendet. Auf Wunsch kann auch dieses in der Online-Darstellung angezeigt werden. Sobald eine Art mindestens einmal seit dem Jahr 2000 in dem Rasterkästchen nachgewiesen wurde, erhält dieses in der entsprechenden Verbreitungskarte einen schwarzen Verbreitungspunkt. Die Nachweisdaten werden von verschiedenen zur Verfügung gestellt (siehe Danksagung). Durch Bewegen des Mauszeigers über den Verbreitungspunkt erfährt man in einem sog. „Mouseover“ die Datenquelle sowie das Nachweis-Datum. Die dabei erscheinende Abkürzung der Institution kann unter dem Button „Datenquellen“ nachgeschlagen werden. Hier wird die komplette Kontaktinformation mit konkretem Ansprechpartner angezeigt. Um der, besonders bei einigen Fischarten, hohen Dynamik ihres Verbreitungsgebietes Rechnung zu tragen, wurde die Möglichkeit eingerichtet, auch Absenz-Punkte (gelb) darzustellen. Es hat sich in der Praxis bisher jedoch als schwierig erwiesen, solche definitiven Absenzdaten zu bekommen.

3.5 Artenlisten

Die Artenlisten basieren auf unterschiedlichen Datenquellen. Für die deutschen Süßwasserfische fand im Wesentlichen die Checkliste von FREYHOF (2004) Berücksichtigung, aktualisiert durch persönliche Anmerkungen (FREYHOF mdl. Mitt. 2006). Abweichend hiervon wurde jedoch aus pragmatischen Gründen noch nicht in allen Fällen die hier vorgeschlagene taxonomische Einteilung übernommen. In der zu diesen Taxa gehörenden Artinformationen soll jedoch auf diesen Umstände hingewiesen werden.

Es ist nicht davon auszugehen, dass alle Autoren stets derselben systematischen Einordnung folgen werden. Der Atlas enthält daher Möglichkeiten, eventuell abweichende Meinungen zu publizieren:

– als Bestandteil der jeweiligen Artmonografie durch den/die Artexperten/in
– als zusätzliches Dokument auf der Ebene der Artinformation durch andere Autoren
– generell über die Rubrik <Kommentare> (Navigation über die Hauptseite).

Die Artenliste der deutschen Meeresfische (siehe Anhang Tab. 3) stellt eine Vereinigung der Artenlisten des International Council for the Exploration of the Sea (ICES 2004) für die Nordsee und der HELCOM (pers. Mitt. FRICKE 2006) für die Ostsee dar.

Die Artenliste der Fische von Österreich (siehe Anhang Tab. 4) basiert auf der Liste der rezenten Fischarten und Neunaugen Österreichs von SPINDLER (1997).

3. 6 Gefährdung und Verantwortlichkeit

Der Rote-Liste-Status für Deutschland folgt FREYHOF (2009), die globale Einstufung der Gefährdung IUCN (2009). Die Angaben zur Einschätzung der Verantwortlichkeit Deutschlands für die Erhaltung von Fischarten und Neunaugen des Süßwassers beziehen sich auf FREYHOF & BRUNKEN (2004), berücksichtigen aber die Aktualisierungen aus FREYHOF (2009).

4. Ergebnis

4.1 Inhalte und Hauptseite

Der Fischartenatlas ist über das Internet unter <www.fischartenatlas.de> oder <www.fischartenatlas.at> frei zugänglich. Er enthält derzeit etwa 150.000 Datensätze (Verbreitungspunkte) über 120 Süßwasserfische von Deutschland, 289 Meeresfischarten und 129 Süßwasserfischarten von Österreich (zu den Checklisten sie Menü > Ichthyologie > Checklisten). Hinzu kommen weitere fischkundlich relevante Informationen. Viele Informationsangebote sind bisher nur strukturell vorgezeichnet und sollen im Verlauf der weiteren Arbeit sukzessive mit Inhalten gefüllt werden. Zu den Verbreitungskarten der Arten gelangt man direkt von der Hauptseite über das Menü > Artenliste.

4.2 Verbreitungskarten und Artinformationen

Der Atlas präsentiert erstmals Verbreitungskarten für alle Süßwasser- und Meeresfischarten von Deutschland und Österreich. Über die rechte Navigationsleiste der Verbreitungskarten lassen sich verschiedene Hintergründe wie z.B. Verwaltungsgrenzen, Flussgebietseinheiten nach Wasserrahmenrichtlinie oder Topographie auswählen. Am linken Rand der Verbreitungskarten erscheint jeweils eine Artenliste optional mit deutschen oder wissenschaftlichen Namen zur Auswahl der gewünschten Art.

Die Artinformationen erschließen sich durch das Anklicken des Buttons > Artinformation auf der rechten Bildschirmseite mit folgenden Informationen:

– Artmonografien (werden von den Artexperten eigens für den Atlas erstellt; für erste Arten bereits vorhanden)

– Artinformationen (bereits vorhandene Informationen zur Biologie der Art, z.B. wissenschaftliche Publikationen, Diplomarbeiten, Auszüge aus Gutachten)

– Fotogalerie (wird derzeit erstellt)

– Angaben zum internationalen (IUCN) und nationalen Gefährdungs- und Schutzstatus einschließlich der Einstufung der „nationalen Verantwortlichkeit“ für die deutschen Süßwasserfische; für einen späteren Zeitpunkt ist die Ergänzung um regionale Rote-Listen (z.B. Bundesländer) geplant

– Anmerkungen und Kommentare (z.B. zur aktuellen taxonomischen Einordnung)

 

4.3 Weitere Informationsangebote

Zu den wesentlichen Elementen des Fischartenatlanten gehören neben den artspezifischen Verbreitungskarten und Angaben zur Biologie die weiteren fischkundlich bedeutsamen Informationen. Hierzu gehören:

AKTUELLES Informationen zur aktuellen Entwicklung des Projektes, neu eingestellte Beiträge etc.

Über den Atlas Im <Editorial> werden die Ziele und Intentionen beschrieben. Unter <Projektpartner> erscheinen Informationen über alle Personen und Institutionen, die einen Beitrag zum Projekt geleistet haben (ausgenommen Redaktion, diese siehe unter Menü > Kontakte. Die aktuelle <Projektbeschreibung> enthält alle relevanten Informationen im Detail. <Wie kann ich mitmachen?> enthält Hinweise und Arbeitsanweisungen für künftige Projektpartner, Artexperten oder andere, die Informationen beisteuern möchten. Unter <Zitiervorschlag> finden sich Zitierhinweise sowohl für den Atlas insgesamt als auch für die Beiträge namentlich genannter Autoren.

Ichthyologie Beiträge in diesem Menü stellen neben den Verbreitungskarten das inhaltliche Kernstück des Projektes dar. Die <Checklisten> zeigen vollständige Listen für die jeweiligen Bearbeitungsgebiete. Unter <Bestimmungsschlüssel> können sowohl Literaturhinweise als auch dichothome Schlüssel sowie Bild- und Tabellenmaterial zur Unterscheidung von Arten abgerufen werden. Das Menü <Ichthyofaunistik> zeigt Karten, in denen ichthyofaunistische, regionalspezifische Literatur geografisch verortet wird. Fischfaunistisch relevante Arbeiten wie z.B. Publikationen in regionalen Fachzeitschriften, so genannte graue Literatur oder sonstige Datenquellen werden hier geographisch bestimmten TK25-Rastern zugeordnet. Beim Anklicken eines bestimmten TK25-Rasters erscheint dann sämtliche für dieses Kartenblatt vorhandene Literatur inkl. kurzer Inhaltsangaben, so dass sich Nutzer z.B. schnell über die fischfaunistische Erfassung bestimmter Regionen informieren können. Unter <Methoden> stehen Beiträge aus allen Bereichen der fischereilichen und fischkundlichen Methoden, z.B. Erfahrungsberichte zu Fang- und Nachweismethoden, Altersbestimmungen, Markierungen, Fischpasskontrollen usw.

Arten- und Gewässerschutz Unter <FFH-Richtlinie> und <Wasserrahmenrichtlinie> werden die beiden bedeutenden europäischen Richtlinien mit ihren ichthyologisch relevanten Bezügen dargestellt, z.B. die sog. Anhang II-Arten oder Angaben zum Erhaltungszustand gemäß NATURA 2000 Netzwerk oder Informationen zur Definition des „guten ökologischen Zustands“ gemäß Wasserrahmenrichtlinie. Das Menü <Projekte> schafft Raum für Darstellungen aus den Themenbereichen Fischarten- und Gewässerschutz, z.B. aktuelle Forschungsprojekte, Gewässerrenaturierungsvorhaben, Bachpatenschaften oder Artenschutz- und Wiederansiedlungsprojekte.

Informationen Unter <Veranstaltungen> finden sich Ankündigungen für Tagungen, Ausstellungen, Lehrgänge und Seminare. Das Menü <Who is who?> zeigt Institutionen, die sich mit ichthyologischen Themen befassen, z.B. naturkundliche Museen, Universitäten, Fischereiverbände, Aquarien, Forschungseinrichtungen usw. Die Auswahl der Institutionen erfolgt über die Kartenansicht. Beim Anklicken der Institution in der Karte gelangt man zu Kurzporträts und weiteren Informationen. <Bücher und Zeitschriften> zeigt Kurzvorstellungen von fischkundlich relevanter Literatur sowie von Fachzeitschriften. Das <Literaturverzeichnis> enthält sämtliche direkt im Atlas zitierte Literatur, über <Links> gelangt man zu anderen fachspezifischen Internetangeboten.

5. Diskussion

Mit dem aktuell im Aufbau befindlichen „Fischartenatlas von Deutschland und Österreich“ wird derzeit der Versuch unternommen, eine bestehende Lücke im fischkundlichen Informationsangebot im deutschsprachigen Raum zu schließen. Erste Reaktionen zeigen, dass die Nachfrage nach qualifizierten Daten über Verbreitung und Biologie von Fischarten groß ist. Wichtig für eine allgemeine Akzeptanz eines solchen Projektes erscheinen dabei insbesondere folgende Punkte:

a) Unerlässlich ist die wissenschaftliche Verlässlichkeit der Daten. Dies soll durch die Einbindung zahlreicher Experten/innen aus Praxis und Wissenschaft gewährleistet werden. Naturgemäß wird es hierbei auch zu unterschiedlichen wissenschaftlichen Meinungen, zum Beispiel über die taxonomische Einordnung von Arten (aktuell z.B. die Corgeonen-Systematik oder der Artstatus innerhalb der Gattung Lampetra). Der Atlas soll gerade auch hierfür eine Diskussionsplattform bereitstellen, um aktuelle Entwicklungen zu präsentieren und neue Erkenntnisse und Meinungen schneller aus dem „Schattendasein von Expertenzirkeln“ herauszuholen. Mittelfristig sollen die im Atlas vorhandenen Artenlisten  auch die Qualität echter, d.h. vollständiger und taxonomisch abgesicherter Checklisten erreichen.

b) Ein weiterer Punkt ist die Gewährleistung der Autorenrechte aller externen Mitarbeiter/innen und Kooperationspartner. Die Artbearbeiter veröffentlichen die Artmonografien unter ihrem Namen. Entsprechende Zitiervorschläge werden im Atlas vorgegeben. Institutionen, die Daten zur Verbreitung bereitstellen, werden auf verschiedenen Ebenen genannt. Beim Anklicken der jeweiligen Verbreitungspunkte sollen stets alle dahinterliegenden Datenquellen genannt werden. Dies ist aus technischen Gründen derzeit noch nicht konsequent realisiert, gehört aber zu den prioritären Zielen bei der Weiterentwicklung des Projektes.

c) Der Atlas soll weder bestehende Datenbanken ersetzen noch Parallelstrukturen aufbauen. Es werden daher hier nur Teilmengen der Daten (Präsenz/Absenz, Datum, Ort) verwendet, die vollständigen Datensätze verbleiben stets bei den kooperienden Institutionen. Eine Neuaufnahme von Verbreitungsangaben sollte nach Auffassung der Autoren stets erst nach einer Meldung an die jeweiligen amtlichen Katasterführenden Behörden (soweit vorhanden, wie z.B. die meisten deutschen Bundesländer) erfolgen. Im Atlas könnten hierfür entsprechende Hilfestellungen gegeben werden, z.B. download-Möglichkeiten für Meldebögen.

Unter Beachtung dieser Grundsätze kann sich der Atlas zu einem für alle Beteiligten hilfreichen Informations- und Kommunikationswerkzeug entwickeln. Entscheidend wird letzlich die Akzeptanz in der Fachwelt sein inklusive der Bereitschaft zur dauerhaften, ehrenamtlichen Mitarbeit. Nur mit dem Erreichen einer gewissen kritischen Masse an Fachbeiträgen wird der Atlas auch eine entsprechende und gewünschte Breitenwirkung erzielen.

6. Literatur

(siehe unter Menü > Informationen > Literaturverzeichnis)