Fischaufstieg und Fischabstieg
Ein Sohlabsturz als Fischwechselhindernis
Die longitudinale Vernetzung von Fließgewässern - also deren Durchgängigkeit - ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass sowohl wandernde als auch nicht oder nur über kurze Strecken wandernde Fischarten dauerhaft lebensfähige Populationen erhalten können. Diese Erkenntnis existiert schon lange, und heute gibt es intensive Bemühungen, die Durchgängigkeit zumindest teilweise wieder herzustellen. Wenn ein vollständiger Rückbau nicht möglich ist, so etwa bei Wehranlagen, Staudämmen oder Polderschöpfwerken, können bzw. müssen Fischaufstiegsanlagen errichtet und dauerhaft unterhalten werden. Gleiches gilt für den ökologisch ebenso bedeutsamen Fischabstieg. Über die Art und Weise der Konstruktion und Erfolgskontrolle von Fischwechseln gibt es heute ein umfangreiches Fachwissen. Zum Teil herrschen bei der Auswahl geeigneter Anlagen auch konträre Meinungen (siehe z.B. die aktuelle Diskussion um das neue Weserkraftwerk in Bremen-Hemelingen.)
„Mit dem fischökologischen Laufwasserkraftwerk Kegelturbine ist die Übereinstimmung von wirtschaftlichen mit ökologischen Interessen gelungen. Es soll das erste fischökologische Laufwasserkraftwerk der Welt werden, das in wenigen Monaten in Deutschland in Betrieb gehen wird. Die Kegelturbine ist das erste Kraftwerk, mit dem man gleichzeitig die Gesamtheit der künstlichen und natürlichen Fließgewässer der Erde energetisch ausnutzen kann.” Mitgeteilt von Dr. Nenad Habek, www.habek-wasserkraftwerke.de, 07.03.2012.
Hinweis auf einen modifizierten vertical-slot-Pass mit durchströmten Wänden: Mittlerweile sind die ersten Anlagen schon 2 Jahre im Gewässer (geestnahes Marschgewässer mit einem oberhalb einmündenden kiesgeprägten Tieflandbach), und es gibt erste Monitoring-Ergebnisse, auch hinsichtlich der Hydraulik. Mitgeteilt von Dipl.-Biol. Michael Dembinski, Planula, Planungsbüro für Naturschutz, und Landschaftsökologie, Hamburg; 22.02.12.
Die BAW (Bundesanstalt für Wasserbau) unterstützt die WSV mit praxisbezogenen Fachpublikationen für eine Vielzahl von verkehrswasserbaulichen Spezialthemen, u.a. die „Arbeitshilfe Fischaufstiegsanlagen an Bundeswasserstraßen“ von 2011.
Studie zum Ausbau der Wasserkraftnutzung in Deutschland
„Die Nutzung der Wasserkraft stellt immer einen Eingriff in die Gewässer dar. Die typischen ökologischen Auswirkungen sind:
• Aufstau des Gewässers mit Veränderung der Fließbedingungen im Staubereich,
• bei Ausleitungskraftwerken: Reduzierung der Wasserführung im Mutterbett,
• Unterbrechung der Durchgängigkeit für aquatische Organismen, Sedimente und organisches Material,
• Schädigungen von flussabwärts wandernden Fischen.
Diese Auswirkungen haben Einfluss auf den ökologischen Zustand der Gewässer und sind daher im Sinn der EG-Wasserrahmenrichtlinien (WRRL) relevant. Die Erfassung des Ausbaupotentials ist daher sowohl für energiepolitische Fragestellungen als auch für die Umsetzung der EG-WRRL von hoher Bedeutung. (...) Es werden immer wieder neue Ideen und Techniken für die Nutzung der Wasserkraft vorgestellt, die bei verringerten negativen Eingriffen in die Gewässerökologie einen nennenswerten Beitrag zur Energieerzeugung liefern und wirtschaftlich attraktiv sein sollen. Derartige Konzepte werden in Kap. 8 grundsätzlich diskutiert."
Ingenieurbüro Floecksmühle, IHS Stuttgart, Hydrotec, Fichtner (2010): Potentialermittlung für den Ausbau der Wasserkraftnutzung in Deutschland als Grundlage für die Entwicklung einer geeigneten Ausbaustrategie. Schlussbericht. - Aachen. Im Auftrage des Bundeminsisteriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. 183 S. Bericht 3,95 MB
"Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein von uns gefördertes Projekt an der TU München ging zu Ende. Ich denke, es bringt interessante Aspekte zur Gestaltung des Einlaufbereichs an Wasserkraftwerken. Und dieses Wissen, das mit viel Geld geschaffen wurde, muss an die Praxis. Mit freundlichen Grüßen, Dr. Franz Geldhauser"
Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, 29.03.2011 Projektbericht
Die Bundesregierung hat angekündigt, in den kommenden 20 Jahren die Durchgängigkeit der Bundeswasserstraßen für wandernde Fischarten wieder herzustellen. Dafür sollen mehr als 700 Millionen Euro ausgegeben werden. Antworten der Bundesregierung zur Kleinen Anfrage von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu "Fischwanderhilfen an Bundeswasserstraßen - Finanzierung und Umsetzung". Die Bewertung der Regierungsantworten von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.
Fachtagung "Fischwanderung und die Bedeutung der Auenhabitate" Die Dokumentation zur BfN-Fachtagung "Fischwanderung und die Bedeutung der Auenhabitate" kann auf der Homepage des BfN herunter geladen werden bzw. unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. als gedrucktes Exemplar kostenfrei bestellt werden. Mitgeteilt von Jan Paulusch (Bundesamt für Naturschutz), 19.01.11
Landeskonzept zur ökologischen Durchgängigkeit der Fließgewässer Brandenburgs Im Rahmen der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie kommt der Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit in den natürlich entstandenen Fließgewässersystemen eine vorrangige Bedeutung zu. Für die Ende 2009 verabschiedeten Brandenburger Bewirtschaftungspläne wurden daher solche Flüsse und Bäche als so genannte Vorranggewässer ausgewiesen, die für die Fischpopulationen durch ihre vernetzende Funktion und als Habitate eine herausragende Bedeutung haben und somit gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstrukturen sowie der ökologischen Durchgängigkeit erfordern. Die länderübergreifend für das deutsche Elbeeinzugsgebiet abgestimmten überregionalen Vorranggewässer hat das Land Brandenburg durch regionale Vorranggewässer ergänzt. Eine analoge Ausweisung erfolgte auch für das Brandenburger Odereinzugsgebiet. Mit dem Landeskonzept zur ökologischen Durchgängigkeit erfolgt jetzt eine detaillierte Untersetzung. Weitere Informationen
Schneckenpumpen zur Verbesserung der Durchgängigkeit Meer-Binnenland (Poldergebiete)
In den Niederlanden werden für die Entwässerung der Polder häufig Schneckenpumpen (oder Archimedesschrauben) verwendet. Wandernde Fische können diese Pumpen nutzen, um vom Polder in den Mahlbusen zu gelangen. Allerdings wird ein großer Teil der Fische in Schneckenpumpen verletzt. Dies geschieht durch eine Berührung der untersten Windung. Oder indem die Tiere im Spalt zwischen der Schnecke und dem feststehenden Trog in dem sich die Winde befindet eingeklemmt werden. Bei den FishFlow Schneckenpumpen treten dieses Problem nicht mehr auf und ist damit sehr fischfreundlich. [weitere Informationen auf der Homepage des Anbieters] [Flyer]
Durchgängigkeit für Fische an der Elbe
Aktueller Fachbeitrag: "Die Wiederherstellung der Durchgängigkeit für Fische und Rundmäuler in Vorranggewässern der Elbe" von Thomas Gaumert, Hamburg. Korrespondenz Wasserwirtschaft, 2010, 3(4): 180-183.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es in der Flussgebietsgemeinschaft Elbe einen ausgeprägten Willen gibt, die Durchgängigkeit für Fische und Rundmäuler nicht nur in den überregionalen Vorranggewässern, sondern auch in dem sich daran anschließenden Gewässernetz wiederherzustellen. Dieses Handlungsziel wurde im derzeit gültigen Bewirtschaftungsplan mit Maßnahmenprogramm festgeschrieben. Es ist ein wichtiger Beitrag zur Erreichung des guten Zustandes im Sinne der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie.